Die frühneuzeitliche europäische Expansion nach Asien wurde von ‚long-distance corporations‘ getragen. Neben den entstehenden Staaten waren dies vor allem die großen privatwirtschaftlich finanzierten Handelskompanien. Wie aber lassen sich diese mit Souveränitätsrechten ausgestattete Aktiengesellschaften konzeptionell fassen? Die größten unter ihnen, die englische East India Company und die niederländische Vereenigde Oostindische Compagnie, kombinierten Handel und Kolonialherrschaft. Ihre Repräsentanten traten je nach lokalem Kontext entweder als einfache Händler oder als selbstbewusste Herrschende auf. In der Forschungsliteratur erscheinen die Kompanien jedoch so unbeschreiblich wie unvergleichlich: mal werden sie als ‚quasi-staatliche Mächte‘, dann als ‚Wirtschaftsgiganten‘ bezeichnet, hier sind sie der verlängerte Arm ihrer Heimatländer, dort ‚Staaten im Staat‘, mal Element eines ‚federal-brokerage state‘, mal selbst ‚Company-states‘. Das Seminar wird sich mit den jüngst verstärkt geführten Diskussionen um die adäquate Beschreibung der beiden Kompanien auseinandersetzten. Diese selbst werden dabei vergleichend und aus wirtschaftshistorischer, politischer, organisatorischer und institutioneller Perspektive unter die Lupe genommen.

- Lehrende: Susanne Friedrich